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Was das EU-Mercosur-Abkommen für deutsche Mittelständler bedeutet

Geschäftschance Südamerika: Was das EU-Mercosur-Abkommen für deutsche Mittelständler bedeutet

Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten soll rund 90 Prozent der gegenseitigen Zölle abbauen, was europäischen Unternehmen jährlich bis zu vier Milliarden Euro sparen könnte. Die Umsetzung ist schrittweise geplant, sodass es bis zu 15 Jahre dauert, bis das EU-Mercosur-Abkommen seine volle Wirkung entfaltet. Doch es lohnt sich, früh vor Ort zu sein und sich Marktanteile zu sichern. Wie kleinere und mittlere Betriebe das Abkommen für sich nutzen können, lesen Sie im folgenden Artikel:
  • Das Mercosur-Abkommen sieht deutliche Zollsenkungen vor. Umfang und Tempo dabei unterscheiden sich aber je nach Branche, um die regionale Wirtschaft nicht zu überfordern.
  • Gerade KMU können profitieren, wenn sie früh Präsenz aufbauen und ihre Exportstrategie rechtzeitig ausrichten.
  • Alternative Finanzierungsmodelle und lokale Expertise sind der Schlüssel, um hohe Kosten und die Komplexität im Zielmarkt zu managen.

Was lange währt, wird endlich gut. Das ist zumindest die Hoffnung beim Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten. Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen haben die beiden Parteien im Januar ein Partnerschaftsabkommen unterzeichnet. Im Mai ist nun ein Teil davon vorläufig in Kraft getreten.

Das Abkommen ebnet europäischen Unternehmen den Weg nach Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay, den vier Mercosur-Staaten. Zusammen bilden die EU und Mercosur eine der größten Freihandelszonen der Welt: Über 700 Millionen Konsumenten leben hier, produzieren zusammen rund 20 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Schon heute handeln beide Seiten jährlich Waren  im Wert von 111 Milliarden Euro; der Dienstleistungshandel kommt zusätzlich hinzu.

Rund 90 Prozent weniger Zölle dank dem EU-Mercosur-Abkommen

Durch das Abkommen sollen schrittweise ca. 90 Prozent der gegenseitigen Zölle wegfallen. Schätzungen zufolge könnte der Deal europäischen Unternehmen jährlich bis zu vier Milliarden Euro an Zöllen sparen. Und das betrifft nicht nur Großkonzerne: Von den rund 12.500 deutschen Unternehmen, die in die Mercosur-Länder exportieren, sind über 70 Prozent kleine und mittlere Unternehmen.

Besonders profitieren dürfte der Maschinenbau, der einen bedeutenden Anteil der EU-Exporte in den Mercosur-Raum ausmacht. Die bisherigen Mercosur-Zölle auf Maschinen lagen laut EU-Kommission je nach Produkt bei 14 bis 20 Prozent. Seit dem 1. Mai 2026 greift der stufenweise Zollabbau, sodass einzelne Positionen bereits reduziert sein können. Auch in der Chemieindustrie, wo heute bis zu 18 Prozent Zölle fällig werden, und bei Pharmazieprodukten (bis zu 14 Prozent) sollen die Abgaben deutlich geringer werden. In sensiblen Sektoren wie der Automobilindustrie sind längere Übergangsfristen geplant, um den heimischen Märkten Zeit zur Anpassung zu geben. Darüber hinaus werden technische Handelsbarrieren abgebaut und öffentliche Ausschreibungen transparenter gestaltet. All das macht die Expansion in die Mercosur-Staaten für deutsche Mittelständler planbarer – und damit lukrativer.

Doch bis das Mercosur-Abkommen seine volle Wirkung entfaltet, dauert es. „Das Abkommen wirkt nicht auf einen Schlag, sondern ist als mehrjähriger, gestufter Prozess angelegt", erklärt Caroline Herrmann, German-Desk Managerin bei der Deutschen Leasing in Brasilien. Je nach Produktkategorie sind Übergangsfristen von bis zu fünfzehn Jahren vorgesehen. Und die Vorteile sind kein Selbstläufer: Unternehmen müssen gewisse Compliance-Vorgaben erfüllen, sonst gelten weiterhin die regulären Zölle.

Das Potenzial ist aber groß. Mit einem BIP von 2,9 Billionen US-Dollar bildet der Mercosur-Raum den sechstgrößten Wirtschaftsblock der Welt. Rund 270 Millionen Menschen leben hier – potenzielle Kundschaft für deutsche Mittelständler mit starken Nischenprodukten. Deshalb rät Herrmann zum zügigen Handeln: „Wer in die Region exportieren will, sollte nicht warten, bis alle Zölle vollständig abgebaut sind. Die Unternehmen, die jetzt den Rahmen verstehen und Präsenz aufbauen, werden später die Nase vorn haben."

Der Schlüsselmarkt Brasilien

Der wichtigste Markt der Region ist Brasilien. Das Land erwirtschaftet fast drei Viertel der Wirtschaftskraft des Mercosur-Raums, rund 213 Millionen Menschen leben hier. Und Präsident Lula da Silva hat sich die Wirtschaftsförderung explizit zum Projekt gemacht. In den Tagesthemen warb er Mitte April 2026 aktiv für deutsche Investitionen in seinem Land. Auch die Rahmenbedingungen sprechen für den Standort: „Brasilien verfügt über ein weit entwickeltes System erneuerbarer Energien. Das passt zu dem, was europäische Unternehmen heute suchen", sagt Herrmann.

Doch der Marktzugang hat seine Tücken. „Brasilien ist föderalistisch organisiert, die Bundesstaaten haben jeweils eigene Regularien und Abgaben", erklärt Herrmann. In der Praxis bedeutet das: Wer eine Maschine exportiert, kennt zwar den Euro-Preis ab Werk. Doch bis das Produkt beim brasilianischen Endkunden ankommt, kommen Importabgaben, nationale Steuern, bundesstaatliche Abgaben und Logistikkosten hinzu. Der tatsächliche Endpreis kann also deutlich höher liegen. „Ohne lokale Verankerung ist kaum zu kalkulieren, was das Produkt den Kunden am Ende kostet", warnt Herrmann.

So gelingt der Markteinstieg

Eine besondere Herausforderung liegt zudem in den Finanzierungsbedingungen. In Brasilien etwa liegt der Leitzins derzeit bei 14,25 Prozent. Kredite verteuern sich, Laufzeiten bleiben oft kurz, die Anforderungen an Sicherheiten sind hoch. Hinzu kommen Währungsrisiken. Wer seine gewohnte Bankfinanzierung aus Deutschland einfach überträgt, stößt deshalb schnell an Grenzen. Gefragt sind Finanzierungsstrukturen, die dieses Umfeld berücksichtigen und zugleich zur Bilanz und Liquiditätsplanung des deutschen Mutterhauses passen. Hier hilft Erfahrung im Zielmarkt – auch über die Finanzierer.

Laut Florian Ziegler, Gebietsleiter Auslandsgeschäft bei der Deutschen Leasing, lassen sich zwei zentrale Finanzierungsfelder unterscheiden. Das eine ist die sogenannte Absatzfinanzierung: Dabei wird etwa einem brasilianischen Endkunden eine Finanzierung angeboten, um so den Verkauf zu ermöglichen. Je nach Projekt kommen zudem exportkreditgedeckte Finanzierungen mit staatlichen Garantien oder grenzüberschreitende Vertragsstrukturen in Frage, bei denen ein Euro-Vertrag in den Mercosur-Raum gebracht wird.

Der zweite Weg ist die klassische Direktinvestition, bei der deutsche Unternehmen eine Tochtergesellschaft im Ausland gründen. Wer vor Ort produziert, umgeht viele der Importzölle und kann zudem staatlich geförderte Finanzierungslinien nutzen. Der Standort Brasilien lässt sich außerdem als Sprungbrett für die gesamte Mercosur-Region nutzen: Innerhalb des Wirtschaftsblocks läuft der Handel bereits vergleichsweise reibungslos.

Praxistipp: Alle Informationen einbeziehen

Besonders tragfähig sind Finanzierungen, die sowohl die Bonität der deutschen Muttergesellschaft als auch die Bedingungen im Zielmarkt berücksichtigen und so Spielräume eröffnen, die ohne lokale Verankerung kaum erreichbar wären.

Das zeigt ein Beispiel aus der Praxis: Ein deutsches Unternehmen aus dem Agrarbereich, Weltmarktführer in seiner Nische, war in Brasilien zunächst nur über Importeure und Handelsvertreter aktiv. Als die Nachfrage wuchs, entschied sich das Unternehmen, eine eigene Produktion aufzubauen. Die Finanzierung lief über einen Investitionskredit, der auf Basis der Bonität der deutschen Muttergesellschaft in Deutschland genehmigt wurde. Die Investitionsmittel wurden dann für den Aufbau des Standorts in Brasilien eingesetzt.

Nach Erfahrung von Florian Ziegler endet die Unterstützung häufig nicht bei der Finanzierung. „Gerade beim Markteintritt geht es um Rechtsformwahl, Standortfragen, Kontoeröffnung. Über ihr Netzwerk – etwa zur Außenhandelskammer und zu spezialisierten Beratungen – begleitet wir als Deutsche Leasing den gesamten Prozess, von der ersten Orientierung bis zur laufenden Investition.“

Fazit: Jetzt die Weichen stellen und vom EU-Mercosur-Abkommen profitieren

Das EU-Mercosur-Abkommen ist kein Abkommen, das über Nacht Wirkung entfaltet, aber genau das macht frühes Handeln zum Vorteil. Wer jetzt beginnt, Marktzugänge zu prüfen, Compliance-Anforderungen zu verstehen und passende Finanzierungsstrukturen aufzubauen, sichert sich einen Vorsprung, während sich Zölle und Handelsbedingungen schrittweise verbessern. Gerade für deutsche Mittelständler mit starken Nischenprodukten bietet der Mercosur-Raum mit seinen rund 280 Millionen Menschen erhebliches Potenzial – vorausgesetzt, die Besonderheiten der Zielmärkte werden von Anfang an mitgedacht. Lokale Expertise und maßgeschneiderte Finanzierungslösungen, die sowohl die Situation der deutschen Muttergesellschaft als auch die Gegebenheiten vor Ort berücksichtigen, sind dabei der entscheidende Hebel. Unternehmen, die diesen Weg jetzt gehen, legen den Grundstein, um von den vollen Vorteilen des EU-Mercosur-Abkommen zu profitieren, sobald es seine volle Wirkung entfaltet.

Sie möchten die Chance ergreifen, Ihr Unternehmen international aufzustellen? Die Deutsche Leasing ist seit 2011 mit einer eigenständigen Einheit in São Paulo vertreten. Rund 40 Mitarbeitende verfügen dort über die notwendigen lokalen Lizenzen, ein eigenes Risikomanagement und lokale Marktexpertise. Vereinbaren Sie jetzt einen Termin für ein persönliches und digitales Gespräch mit einem unserer Expertinnen und Experten. Wir tauschen uns gern mit Ihnen aus und beantworten Ihnen alle Fragen zu Ihrem Zielland.