
CFOs im Stresstest: Wie Finanzchefs Unternehmen jetzt durch unsichere Zeiten steuern
Wenn der Finanzchef zum Krisenmanager wird: Wie CFOs Unternehmen durch volatile Zeiten navigieren.
Erfahren Sie in unserem Artikel:
- Welche Trends CFOs neben den traditionellen Aufgabenfelder beobachten müssen
- Welche Faktoren laut aktuellen Studien den Finanzbereich heute am stärksten verändern
- Warum CFOs jetzt auch die Führung bei geopolitischen Risiken und KI stärker in den Fokus nehmen
Vom Kostendrücker zum Chancen-Ermöglicher: Wohl kaum eine Rolle im Unternehmen hat in den vergangenen Jahren einen so massiven Wandel erfahren wie die Position der Chief Financial Officers. Nicht nur das Aufgabengebiet und die Tools und Systeme für die tägliche Arbeit haben sich teils radikal verändert, sondern auch die Rolle von CFOs insgesamt. Sie sind vom Rand ins Herz der Unternehmenszentralen gerückt. Denn gute Finanzchefs sind nicht mehr nur „Zahlenmenschen“ – sie bringen alles mit, was es braucht, um Unternehmen durch schwierige Zeiten zu navigieren. Weitblick, Zahlenverständnis, analytische Gaben. Wenn dann noch Empathie und strategisches Führen hinzukommen, ergibt das ein Perfect Match.
Studien von Deloitte und Horváth: CFOs zwischen Pessimismus und Transformationsdruck
Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage macht einen solchen Weitblick wichtiger denn je. CEOs ächzten zurzeit unter globalen Risiken bei gleichzeitigem Investitionsstau, wie die Unternehmensberatung Horváth im Februar 2026 in einer Studie festhielt, für die rund 240 Finanzverantwortliche aus 22 Ländern befragt wurden. „Makroökonomische Faktoren wie die US-Wirtschafts- und Zollpolitik und die geopolitischen Spannungen erhöhen die finanzwirtschaftlichen Risiken. Um diese abzufedern, muss in Digitalisierung, KI und Transformation investiert werden, doch der Handlungsspielraum ist begrenzt“, sagt Studienleiter und Horváth-Partner Achim Wenning.
Aus Sicht der Berater verändert diese Gemengelage die Rolle der CFOs deutlich. Vier von zehn Finanzchefs erwarten laut der Studie eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, nur noch 14 Prozent rechnen mit einer positiven Entwicklung. Zu den meistgenannten Belastungsfaktoren zählen laut der Studie globaler Wettbewerbsdruck, Bürokratie, Energiepreise, Inflation und Zölle. Gleichzeitig müssen CFOs Investitionsentscheidungen trotz unsicherer Rahmenbedingungen treffen und grundlegende Transformationsvorhaben vorantreiben.
Auch die globale Deloitte-Finance-Trends-Studie 2026 skizziert die immer größeren Herausforderungen, die mit einem klaren Rollenwandel der Finanzverantwortlichen einhergehen. Mehr als die Hälfte der befragten 1.300 Finanzchefs (57 Prozent) gab in der Befragung an, zu den führenden Kräften der Strategieentwicklung zu zählen. Die Finanzverantwortlichen aus der strategischen Planung ausschließen? Diesen Fehler begeht der Befragung zufolge nur noch eins von 100 Unternehmen.
Viele CFOs orchestrieren also zunehmend die strategische Agenda. Zudem verweist Deloitte darauf, dass die Zahl der – laut Stellenausschreibungen – von CFOs erwarteten Kompetenzen innerhalb von fünf Jahren um 19 Prozent gestiegen ist. Beide Studien kommen zu dem Ergebnis, dass CFOs heute weit mehr leisten müssen als Zahlen zu analysieren. Sie steuern Risiken, priorisieren knappe Investitionsmittel und treiben die digitale Modernisierung des Unternehmens voran.
Was CFOs von morgen leisten müssen
All das verändert den Arbeitsalltag der Finanzchefs spürbar. Es fordert CFOs heraus, innovative Lösungen zu entwickeln, Wachstum zu sichern und Risiken zu managen. Zugleich steigt der Druck, Prozesse widerstandsfähiger zu machen und vor allem: schneller und flexibler auf Marktveränderungen zu reagieren. Viele CFOs stehen vor der Aufgabe, ihre Finanzbereiche technologisch neu aufzustellen und Investitionen unter unsicheren Bedingungen gezielter zu priorisieren.
Vor allem der Trend zu Digitalisierung und Datenökonomie verändert die Rolle von CFOs nachhaltig. Digitale Technologien und Automatisierung erhalten im Finanzbereich laut der Horváth-Studie die höchste Priorität und den größten Anteil der Investitionsmittel. Die Befragten setzen damit auf Technologien, die Planung, Reporting und Forecasting verlässlicher machen sollen. Schon immer bildeten verlässliche und gut nutzbare Daten die Entscheidungsgrundlage von CFOs. Doch das volatile Umfeld macht die Planung nun noch anspruchsvoller. Immer mehr Finanzchefs berichten, dass ihnen zwar Daten vorliegen, diese jedoch wegen unterschiedlicher Systeme und fehlender Standardisierung nicht schnell genug nutzbar sind. Es gilt als die wichtigste strategische Aufgabe, finanzielle Prozesse zu harmonisieren, standardisieren und optimieren. Gleich danach rangiert die Entwicklung neuer Fähigkeiten im Team. Ziel ist, Daten so aufzubereiten, dass sie frühere, schnellere und verlässlichere Entscheidungen ermöglichen. Wo früher vor allem die rückwärtsgewandte Betrachtung abgelaufener Perioden dominierte, entwickeln Unternehmen heute stärker vorausschauende Modelle. Predictive-Analytics und automatisierte Forecasts werden für CFOs zu zentralen Werkzeugen, um Entwicklungen schneller zu erkennen und Szenarien durchzuspielen.
Vom Bilanz-Experten zum Tech-Experten?
Die einstigen „Zahlen-Nerds“ müssen nun auch zu technologischen Vorreitern werden. Laut der Deloitte-Studie „Finance Trends 2026“ setzen strategisch einflussreiche Finanzchefs digitale Technologien deutlich intensiver ein als ihre Kollegen: Sie nutzen Cloud-Lösungen, KI und Automatisierung, um Produktivitätslücken zu schließen und ihre Rolle als strategische Partner im Unternehmen auszubauen. Die Unternehmensberatung beschreibt diesen Wandel als Kern der neuen Finanzfunktion. Die globale Studie zeigt aber auch die Grenzen der Transformation: 63 Prozent der Finanzabteilungen haben KI bereits vollständig implementiert, doch nur 21 Prozent sehen bislang einen klar messbaren Mehrwert.
Die Mittelstands-Befragung von Deloitte Ende 2025 bestätigt diesen Trend, wenn auch mit anderen Schwerpunkten: Verstärkter Einsatz digitaler Technologien (63 Prozent) und KI (62 Prozent) gehören zu den wichtigsten Initiativen deutscher Mittelstands-CFOs, vor allem, um Effizienz zu heben und Fachkräfteengpässe abzufedern. Gleichzeitig bleibt die Umsetzung anspruchsvoll – viele Finanzbereiche kämpfen laut Studie mit Widerständen in der Belegschaft und einer spürbaren Zurückhaltung beim Einsatz neuer Technologien – und sind zugleich gefordert, eine nachlassende Leistungsbereitschaft zu kompensieren. Investitionen in Technologie sind eine notwendige Bedingung für künftigen Erfolg, darin werden sich die meisten Finanzverantwortlichen einig sein. Hinzukommen muss aber eben auch die Entwicklung neuer Fähigkeiten, damit digitale Lösungen Wirkung entfalten können. CFOs werden damit in ihrer Rolle als Enabler immer wichtiger. Ihre Aufgabe geht längst über klassische Finanzarbeit hinaus: Sie arbeiten vernetzt mit anderen Abteilungen, denken interdisziplinär und verantworten heute ein breites Spektrum an Transformationsprojekten.
Unser Fazit: Die Rolle des CFO befindet sich im tiefgreifenden Wandel
Aus dem klassischen Zahlenverantwortlichen ist ein strategischer Gestalter geworden, der Unternehmen durch geopolitische Unsicherheiten, Digitalisierungsdruck und volatile Märkte navigiert. Technologie – allen voran KI und Automatisierung – verändert dabei nicht nur die Werkzeuge, sondern das Selbstverständnis der Funktion grundlegend. Wer als CFO heute erfolgreich sein will, braucht neben finanziellem Fachwissen auch strategischen Weitblick, technologische Kompetenz und die Fähigkeit, Wandel aktiv zu gestalten – nicht nur zu begleiten.



