
Klimaschutz: Vom Kostenfaktor zum Wettbewerbsvorteil
Warum Unternehmen mit besseren ESG-Werten künftig günstigeres Geld bekommen.
Extremwetter nimmt zu, doch viele unterschätzen die Gefahr
Zwischen 2009 und 2023 stiegen die wirtschaftlichen Schäden durch Extremwetter in der EU im Schnitt um 2,9 Prozent jährlich. Das belegen Zahlen der Europäischen Umweltagentur. Überschwemmungen machen mit 44 Prozent den größten Anteil aus, gefolgt von Stürmen (29 Prozent) und Hitzewellen (19 Prozent), zeigt das aktuelle KfW-Klimabarometer 2025. Die Ahrtal-Flut 2021 allein richtete Schäden von mindestens 40 Milliarden Euro an, eine Zahl, die angesichts von mehr als 180 Toten allerdings verblasst.
Während der Handlungsdruck bei der Klimaanpassung wächst, fahren Unternehmen jedoch ihre Investitionen zurück, zeigt das KfW-Klimabarometer. Im Jahr 2024 haben sie in Deutschland rund 80 Milliarden Euro in Klimaschutz investiert – real bedeutet das einen deutlichen Rückgang um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die aktuellen Zahlen zeigen aber auch eine Trendwende mit Blick auf die zentralen Akteure: Während die Großindustrie ihre Ausgaben von 50 auf 42 Milliarden Euro kürzte (preisbereinigt minus 18,5 Prozent), erhöhte der Mittelstand seine Investitionen auf 38 Milliarden Euro (real plus 7,8 Prozent). Besonders auffällig: Kleinstbetriebe stockten ihre Klimainvestitionen um fast die Hälfte auf (plus 47 Prozent).
Wenn Unternehmen Klimaschutz zurückstellen, liegt dem oft ein Verdrängungsmechanismus zugrunde: Extremwetter trifft eben nicht jeden, und andere Herausforderungen wie Fachkräftemangel oder Digitalisierung erscheinen Unternehmenslenkerinnen und Unternehmenslenker dringlicher. Doch wenn das Extremwetter zuschlägt, sind die Kosten oft enorm hoch. Zumal deutsche Unternehmen häufig in unterschiedlichsten Weltgegenden aktiv sind – selbst wenn Deutschland also verschont bleibt, trifft es dann vielleicht eine dieser Niederlassungen. Ein Beispiel aus der KfW-Studie zeigt die Dimension: Im Jahr 2023 musste ein deutscher Autobauer die Produktion von etwa 150.000 Fahrzeugen stoppen, weil ein slowenischer Zulieferer von Zahnkränzen nach einem Hochwasser ausgefallen war.
Unternehmen haben Zweifel am Business Case „Klimaschutz“
Unternehmen haben mehrere Möglichkeiten, sich gegen Klimafolgen zu wappnen. Bauliche Maßnahmen helfen, etwa Hochwasserschutz, Regenwasserversickerung und verstärkte Gebäudehüllen. Organisatorische Vorkehrungen ebenfalls, wie dezentrale Lagerung und Notfallpläne. Die internationale Norm ISO 14090 bietet seit dem Jahr 2019 einen strukturierten Rahmen, um Klimarisiken systematisch zu analysieren und Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Die Norm ist mittlerweile auch Teil der EU-Taxonomie-Anforderungen. Manche Risiken lassen sich an Versicherungen auslagern, aber eben nur dann, wenn Betriebe belegen können, dass sie vorgesorgt haben. Wer in besonders gefährdeten Lagen produziert, hat oft große Probleme, eine Elementarschadenversicherung abzuschließen.
Wenn es um aktiven Klimaschutz geht, sind Unternehmen unsicher, ob sich Investitionen rechnen. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen nennt im KfW-Klimabarometer 2025 diesen Punkt. Viele können nicht verlässlich abschätzen, wann sich etwa eine neue Photovoltaikanlage amortisiert oder ob energieeffiziente Maschinen die Mehrkosten wieder einspielen. Dahinter folgen langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse sowie knappe finanzielle Mittel (jeweils 41 Prozent).

280.000 Euro Stromkosten gespart.
Die Unternehmensgruppe Bachl zeigt, wie sich Investitionen in Photovoltaik direkt auf die Bilanz auswirken – und sich gleichzeitig CO2-Emissionen senken lassen.
Hinzu kommt, dass die Unternehmen einen Großteil der Mittel zur Finanzierung solcher Investitionen selbst aufbringen müssen. Im Mittelstand stammt laut KfW-Klimabarometer fast die Hälfte (48 Prozent) aus Eigenmitteln. Ein Drittel von Banken, ein Fünftel (19 Prozent) aus Fördertöpfen. Zwischen 2021 und 2024 stieg der Kreditanteil um fast zehn Prozentpunkte. Die Eigenmittel werden knapper, der Investitionsbedarf größer.
Ab Mitte 2026: EZB koppelt Kreditzinsen an Klimarisiken
Unternehmen brauchen also öfter eine Finanzierung, um in Klimaschutz und -anpassung zu investieren, aber bald gilt umgekehrt auch: Wer nichts für Klimaschutz und -anpassung tut, hat es bei der Finanzierung schwerer. Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 führt die Europäische Zentralbank den Climate Factor ein. Er verknüpft die Refinanzierungskosten der Banken mit den Klimarisiken in ihren Kreditbüchern. Die Logik: Je klimafreundlicher die Kredite, desto günstiger ist Geld von der Zentralbank. Und diesen Kostenvorteil dürften Banken zumindest teilweise an ihre Kundschaft weitergeben.
Der Climate Factor bewertet zwei Arten von Risiken:
- Die erste Risikoart sind physische Risiken, also etwa Schäden durch Extremwetter wie Überschwemmungen, Stürme, Hitze oder Dürre. Ein Produktionsstandort in einem hochwassergefährdeten Gebiet erhält einen schlechteren Score, genauso wie Unternehmen ohne Anpassungsmaßnahmen.
- Die zweite Risikoart sind transitorische Risiken, also Verluste, die beim Übergang zur Klimaneutralität entstehen. Dazu gehören politische Vorgaben wie steigende CO2-Preise, verschärfte Emissionsgrenzwerte oder das geplante Ende von Verbrennungsmotoren. Besonders betroffen sind energieintensive Branchen wie Zement, Stahl, Chemie, Bergbau oder fossile Energie, die ihre Produktionsprozesse grundlegend ändern müssen.
Noch gibt es keine festen Regeln, wie sich ESG-Scores auf Zinsen auswirken werden. Aber die Richtung ist klar: Banken, die Kredite an Unternehmen mit hohen Klimarisiken vergeben, erhalten von der EZB schlechtere Refinanzierungskonditionen. Diese Mehrkosten geben sie als höhere Zinsen weiter. Für Unternehmen heißt das konkret: Auch ohne verlässliche Daten zu Energieverbrauch, CO2-Ausstoß oder auch zu sozialen Faktoren (das S in ESG) erschwert sich die Kreditvergabe, bessere ESG-Werte bedeuten perspektivisch günstigere Kredite.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Um verlässliche Nachhaltigkeitsdaten liefern zu können, bietet der neue VSME-Standard der EU Orientierung. VSME steht für Voluntary Sustainability Reporting Standard for Non-Listed SMEs, also einen freiwilligen Nachhaltigkeitsstandard für nicht börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen. Er strukturiert Daten, macht sie vergleichbar und beantwortet die wichtigsten Fragen von Finanzierern – etwa zu Energieverbrauch, Emissionen und Risikomanagement. Wer ihn nutzt, bereitet sich auf künftige Anforderungen vor.
Unternehmen sollten ihren Status quo prüfen: Welche Nachhaltigkeitsdaten liegen vor? Welche Maßnahmen sind bereits umgesetzt? Oft ist mehr vorhanden als gedacht: Arbeitsschutz, Weiterbildungen, LED-Beleuchtung, effiziente Maschinen. Der erste Schritt: Energieverbräuche systematisch erfassen, CO2-Ausstoß berechnen und soziale Kennzahlen bündeln. Eine Standortanalyse zeigt zudem Klimarisiken wie Hochwasser- oder Hitzegefahr und welche baulichen oder organisatorischen Maßnahmen sinnvoll sind. Wer diese Daten strukturiert dokumentiert, verbessert nicht nur seine Resilienz, sondern auch seine Finanzierungskonditionen.
Für bauliche Anpassungen gegen Extremwetter, energieeffiziente Produktionsanlagen, Photovoltaik oder moderne Beleuchtungssysteme bieten alternative Finanzierungsformen wie Leasing dringend benötigten Spielraum. Sie ermöglichen Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen, ohne die Liquidität zu binden, die Unternehmen für das operative Geschäft brauchen.
Egal, ob Sie Ihren ökologischen Fußabdruck verbessern wollen, Fördermittel für Ihre Nachhaltigkeit suchen oder Finanzierung neuer Technologien in Angriff nehmen wollen. Wir finden für Ihr Vorzeigeprojekt das richtige Finanzierungsmodell.


