
Deutschlands Wirtschaft findet 2026 langsam zurück auf Wachstumskurs
Welche Chancen Mittelständler ergreifen können
Erfahren Sie in unserem Artikel:
- Staatliche Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz setzen wichtige Impulse, reichen aber noch nicht aus, um die Stimmung und Investitionsbereitschaft vollständig zu drehen.
- Steigende Reallöhne und eine robuste Binnennachfrage werden 2026 zu Stabilitätsankern für Deutschlands Konjunktur.
- Kleine und mittlere Unternehmen stärken ihre Wettbewerbsfähigkeit jetzt durch Investitionen in Digitalisierung, Energieeffizienz sowie strategische Marktanpassungen.
Deutschlands leicht. Laut OECD soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP)2026 um rund ein Prozent zulegen, die EU-Kommission rechnet sogar mit 1,2 Prozent. Damit bleibt die Bundesrepublik zwar hinter dem EU-Schnitt und der Weltwirtschaft zurück – trotzdem geht es aufwärts. Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, prognostiziert weitere Zuwächse: „Für 2026 und 2027 sehen wir ein solides globales Wachstum von jeweils 3,1 Prozent.“ Gleichzeitig entspannt sich das Preisumfeld. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass die weltweite Inflationsrate von 5,7 Prozent im Jahr 2024 auf 4,3 Prozent im Jahr 2025 und im Jahr 2026 schließlich auf 3,6 Prozent sinkt.
Positive Impulse kommen in Deutschland vor allem durch das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität: Über 500 Milliarden Euro stellt die Bundesregierung bereit, um Bahn, Straßen, Digitalisierung und Energieversorgung zu modernisieren. Derweil bremsen anhaltende Unsicherheiten im Welthandel und hohe US-Zölle allerdings weiterhin die Nachfrage aus dem Ausland. Das erschwert Investitionen, insbesondere in exportorientierten Sektoren.
So entsteht 2026 ein gemischtes Bild aus neuen Chancen und fortdauernden Risiken: Deutsche Unternehmen stehen weiterhin vor Herausforderungen. Sie verfügen aber wieder über reale Perspektiven, auf neues Wachstum, mehr Effizienz und höhere Wettbewerbsfähigkeit.
Welthandel gewöhnt sich an Barrieren
Handelsbarrieren werden auch 2026 das Gesamtbild prägen. Mit dem Zoll-Deal zwischen der EU und den USA konnte eine Eskalation im Sommer 2025 abgewendet werden. Doch die Belastungen für Unternehmen bleiben hoch: Für die meisten EU-Exporte in die USA gilt weiterhin der neue Basiszollsatz von 15 Prozent, für Stahl- und Aluminiumprodukte sind es sogar bis zu 50 Prozent. Europa, das von offenen Märkten und globalen Wertschöpfungsketten lange Zeit besonders stark profitierte, steht damit unter besonderem Druck. Die deutschen Exporte in die USA sind in den ersten drei Quartalen 2025 um fast acht Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, zeigt eine aktuelle Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Das Gesamtbild für 2026 ist differenziert. DekaBank-Chefvolkswirt Kater bringt es auf den Punkt: „Die Weltwirtschaft wird nicht ab-, sie wird umgebaut. Unter der Oberfläche sehen wir einen tiefgreifenden Strukturwandel, der Gewinner und Verlierer hervorbringt.“ Er ergänzt, worin die größte Hürde für neues Wachstum liegt: „Forschung und Entwicklung findet in Deutschland auf Weltniveau statt, die Umsetzung von neuen Techniken in Marktprodukte liegt jedoch fest in den Händen der USA.“
Binnenkonsum als Konjunkturstütze
In Zeiten anhaltender Unsicherheit im internationalen Umfeld bleibt der Binnenkonsum ein wichtiger Stabilitätsanker der Wirtschaft. Die EU-Kommission sieht die Binnennachfrage als zentralen Wachstumstreiber für Europa und verweist auf einen robusten Arbeitsmarkt, steigende Kaufkraft und günstige Finanzierungsbedingungen als wesentliche Stützen der Binnenkonjunktur. Nationale Sparmaßnahmen werden durch gezielte EU-Mittel teilweise ausgeglichen, was in vielen Ländern für zusätzliche Impulse sorgt.
Die Reallöhne sind im dritten Quartal 2025 um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, so stark wie lange nicht mehr, meldet das Statistische Bundesamt. Viele Beschäftigte haben damit die Kaufkraftverluste der vergangenen Jahre aufgeholt, die private Konsumnachfrage könnte im Jahresdurchschnitt 2026 real um 1,0 Prozent zulegen, zeigen Daten der Hans-Böckler-Stiftung und des gewerkschaftsnahen IMK. Sinkende Sparquoten und eine weiter nachlassende Inflation verstärken diesen Trend. Gemeinsam mit einem Staatskonsum, der um 2,2 beziehungsweise 2,4 Prozent zulegt, sowie einer dynamischeren Investitionstätigkeit bleibt die private Nachfrage 2025 wie auch 2026 das Rückgrat der wirtschaftlichen Entwicklung.
Doch das Bild ist nicht ungetrübt, denn der Druck auf den Arbeitsmarkt hält an: Umfragen des IW bestätigen: Rund ein Drittel der befragten Unternehmen will im Jahr 2026 Stellen abbauen, vor allem in der Industrie. Dort wollen sogar 41 Prozent der Unternehmen Stellen streichen. Neueinstellungen sind mit etwa jedem siebten Betrieb deutlich seltener geplant. „Ohne staatliche Reformen wird es immer unwahrscheinlicher, dass die milliardenschweren Sonderprogramme der Bundesregierung die erhoffte und notwendige Wirkung entfalten“, warnt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling.
Investitionsoffensive lässt neue Chancen entstehen
Nach Jahren der Investitionszurückhaltung mehren sich 2026 dennoch die Zeichen für eine Wende. Ein wichtiger Treiber ist dabei das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität, mit dem Bund, Länder und Kommunen in den kommenden Jahren bis zu 500 Milliarden Euro bereitstehen. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) entstehen hier neue Chancen, etwa durch Projekte im Bereich Bahn, Straßen, Energieeffizienz oder Forschung. Auch Deka-Chefvolkswirt Kater erkennt im Zusammenspiel von massiven staatlichen Investitionen und privatem Konsum neue Wachstumsimpulse: „Der Schub kann auch nachhaltigen Konjunkturschwung bringen, wenn nach den Investitionsphasen auch der Privatkonsum dank optimistischerer Grundstimmung wieder Fahrt aufnimmt.“
Für KMU lohnt sich ein Blick auf etablierte und neue Investitions- und Förderprogramme. Wer jetzt gezielt in Digitalisierung, Energieeffizienz oder Modernisierung investiert, kann von staatlichen Unterstützungsmaßnahmen profitieren und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken. Gleichzeitig empfiehlt es sich, die eigene Marktstrategie regelmäßig zu überprüfen – etwa durch das Erschließen neuer Kundengruppen oder flexiblere Lieferketten. Nicht zuletzt bleibt die Qualifizierung der Mitarbeitenden ein wichtiger Hebel, um im Wandel anpassungsfähig und innovativ zu bleiben.
Allerdings gilt auch hier das Spannungsfeld zwischen Chancen und Risiken: Das Umfeld bleibt herausfordernd, die Stimmung in vielen Betrieben ist laut Ifo-Institut weiterhin verhalten, der Geschäftsklimaindex sank zum Jahresende erneut. Viele Unternehmen sehen trotz Investitionsoffensive Unsicherheiten, was die Planung hemmt. „Das Jahr endet ohne Aufbruchstimmung“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. Auch andere Ökonomen warnen: Nur wenn das Fiskalpaket wie geplant zündet und mit Strukturreformen Hand in Hand geht, entsteht nachhaltiger Rückenwind.
Fazit
2026 wird für die Deutschlands Wirtschaft ein Jahr im Spannungsfeld zwischen Unsicherheit und Erneuerung. Während internationale Handelskonflikte, strukturelle Standortprobleme und der fortdauernde Kostendruck Unternehmen herausfordern, setzen staatliche Investitionen und eine erstarkende Binnennachfrage neue Impulse. Entscheidend bleibt, dass Unternehmen die sich bietenden Chancen aktiv nutzen, Innovationen vorantreiben und auf Anpassungsfähigkeit setzen.
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