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Welche Auswirkungen haben die Zinsentscheide von EZB und US-Fed für Ihr Unternehmen?

Ruhe vor dem Sturm? Welche Auswirkungen haben die Zinsentscheide von EZB und US-Fed für Ihr Unternehmen

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Fed haben im Oktober den Leitzins jeweils unverändert gelassen. Für den Dezember wird derweil mit Erhöhungen gerechnet. Wie wirken sich die Entscheide der Zentralbanken auf die Finanzierungsbedingungen im Mittelstand aus und was können Unternehmen tun?

Darum geht es in diesem Beitrag:

  • Wie sich die Leitzinsen in der Eurozone und den USA zuletzt verändert haben
  • Über welche Wege die Zinswende den Betrieb erreicht, von der Finanzierung über die Bewertung bis zur Liquidität
  • Warum die Entscheidungen der US-Notenbank sich auch auf deutsche KMU auswirken
  • Welche alternativen Finanzierungsformen bei teurem Fremdkapital infrage kommen

„Wir werden Preisstabilität liefern. Ohne Wenn und Aber." Mit diesem Satz kam Kevin Warsh, Chef der US-Notenbank Federal Reserve, nach der Zinssitzung Ende Oktober der Kritik zuvor, warum die Notenbank trotz hoher Inflation keine Erhöhung durchgesetzt hat. Die Fed hatte den Leitzins in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. Im Vormonat hatte sie den Leitzins erhöht, erstmals seit mehr als drei Jahren. Die Verbraucherpreise in den USA lagen im September bei 3,7 Prozent und damit höher als im August. Vor der Sitzung galt das Stillhalten der Fed bereits als ausgemacht: Immerhin fand sie kurz vor den US-Zwischenwahlen statt. Ob die die Notenbank den Leitzins im Dezember erhöht, ist offen. Am Markt rechnen allerdings rund 86 Prozent der Teilnehmer damit Warsh kündigte außerdem an, die Zahl der Zinssitzungen zu verringern: Ab 2027 sollen es sieben statt bisher acht sein.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) ließ den Leitzins im Oktober unverändert. Der Einlagesatz blieb bei 2,5 Prozent, nachdem die EZB ihn im Juni und im September angehoben hatte. Die Inflation im Euroraum lag im September bei 3,8 Prozent, die Energiepreise lagen im Vergleich zum Vorjahresmonat um knapp 19 Prozent höher. Volkswirte erwarten deshalb mehrheitlich, dass die EZB am 17. Dezember um einen Viertelprozentpunkt erhöht. In Frankfurt könnte es sich bei der derzeitigen Ruhe also ebenfalls nur um eine kurze Atempause handeln.

Warum das Thema den Mittelstand weit über neue Kredite hinaus betrifft

Wer einen Kredit aufnimmt, zahlt nach Leitzinserhöhungen sehr schnell mehr -  dass die Preise im Einkauf sinken, dauert dagegen Quartale, wenn es überhaupt so kommt. Den Mittelstand, der Investitionen fast immer über Kredite finanziert, trifft das oft hart. Höhere Zinsen verteuern nicht nur Kredite, sie drücken auch den Wert eines Unternehmens, wenn der Inhaber verkaufen oder übergeben will. Sie schmälern den Cashflow, der sonst in Investitionen fließen würde. Und sie bringen Unternehmen dazu, Aufträge zu verschieben.

Sieben Wege, auf denen der Leitzins den Betrieb erreicht

1. Finanzierung: Die Hausbank besorgt sich ihr Geld am Markt. Bei festen Laufzeiten richtet sie sich nach dem Swapsatz, also dem Zins für Geld über die gewünschte Dauer. Bei variablen Krediten dient der Euribor als Basis. Auf beide Werte kommen ein Risikoaufschlag und die Marge der Bank. Da der Markt Zinsschritte früh einpreist, steigen diese Sätze oft schon, bevor die EZB handelt. Am schnellsten trifft das Betriebsmittellinien und variable Darlehen. Steigen die US-Renditen durch Zinsschritte in den USA, ziehen oft auch die deutschen Renditen an, und mit ihnen die Swapsätze, zu denen Banken sich refinanzieren.

2. Bewertung: Der Wert eines Unternehmens ergibt sich aus den künftigen Free Cashflows, also dem Geld, das nach Investitionen und Steuern für die Kapitalgeber übrigbleibt. Diese Zahlungen werden mit den Kapitalkosten auf den Bewertungsstichtag abgezinst. Steigt der Basiszins, steigen die Kapitalkosten, und der Wert sinkt, auch wenn das Geschäft so gut läuft wie zuvor. Besonders deutlich zeigt sich das bei Nachfolgeregelungen, Verkäufen und Umstrukturierungen. Inhaber halten oft an Werten aus besseren Zeiten fest. Käufer kalkulieren dagegen mit dem aktuellen Zinsniveau.

3. Liquidität: Ein höherer Zins trifft zuerst die Kredite, die laufend neu bepreist werden: variable Darlehen und Betriebsmittellinien. Ein fest verzinstes Darlehen bleibt dagegen bei dem vereinbarten Preis , bis die Zinsbindung endet. Auf der anderen Seite liegt das Geld, das der Betrieb auf dem Konto hält. Tagesgeld zieht den höheren Satz rasch nach, Festgeld erst bei der nächsten Anlage.

4. Nachfrage: Hohe Preise können Unternehmen abschrecken. Wenn etwa ein Bauunternehmer Mühe hat, einen neuen Lkw zu finanzieren, schiebt er den Kauf wahrscheinlich auf. Der Auftragseingang beim Lieferanten sinkt dann oft erst mit Verzögerung. Besonders empfindlich reagieren Betriebe, die von wenigen Großkunden leben. Fällt einer davon aus oder fährt seine Investitionen zurück, fehlt schnell ein großer Teil des Umsatzes.

5. Einkauf und Energie: Der Zins hängt an der Inflation, und die kommt derzeit vor allem über die Energiepreise. Solange sie hoch bleiben, dürfte die Notenbank kaum nachgeben. Für Unternehmen wirkt der Energiepreis damit doppelt: direkt in der Kostenrechnung und indirekt über den Zins. In vielen Branchen ist die Energierechnung damit aktuell der größere Kostenblock.

6. Bankbeziehung: In angespannten Zeiten prüfen Banken Eigenkapitalquote, Verschuldung und auf Zinsdeckung genauer. Der Zinsdeckungsgrad zeigt, wie viele Male das operative Ergebnis, meist das EBITDA, den Zinsaufwand deckt. Dazu kommen Covenants, also Vertragsklauseln. Unterschreitet der Betrieb eine vereinbarte Kennzahl, kann die Bank die Konditionen anpassen, Sicherheiten verlangen oder eine Linie kündigen.

7. US-Finanzmarkt: Ein hoher US-Zins zieht Kapital in die Vereinigten Staaten und stärkt tendenziell den Dollar. Dann werden Einkäufe in Dollar für Betriebe in Euro teurer. Außerdem verteuert eine Fed, die die Zinsen hochhält, die Finanzierung von Tochtergesellschaften und Produktionsstandorten in den USA, die sich in Dollar refinanzieren, und dämpft dort die Nachfrage.

Warum Investionen unabhängig vom EZB-Leitzins getätigt werden müssen.

Investitionen nicht aufschieben

Für viele Mittelständler liegt es nahe, Investitionen in Zeiten mit sinkenden Zinsen zu verschieben. Der Gedanke klingt vernünftig. Die Märkte rechnen derzeit aber nicht mit Senkungen, sondern eher mit weiteren Erhöhungen. Die Herbstumfrage der Auskunftei Creditreform unter rund 1.200 kleinen und mittelgroßen Unternehmen zeigt, dass die Investitionsbereitschaft so niedrig ist wie noch nie in den vergangenen 20 Jahren. Im Herbst 2026 planten nur noch rund 37 Prozent ein Investitionsvorhaben, im Vorjahr waren es noch immerhin knapp 44 Prozent gewesen.

Fazit: Zinswende abwarten? Besser jetzt Finanzierung strukturieren

Auch wenn viele Unternehmen noch auf sinkende Zinsen hoffen, deuten die aktuellen Signale von EZB und Fed auf ein länger erhöhtes Zinsniveau hin. Mittelständler sollten Investitionen deshalb nicht grundsätzlich verschieben, sondern jetzt ihre Finanzierung strukturieren, Liquiditätsreserven sichern und alternative Finanzierungsformen wie Leasing, Sale-and-Lease-Back und Factoring prüfen. So bleiben Sie handlungsfähiger als diejenigen, die auf eine schnelle Zinswende setzen. Die Deutsche Leasing unterstützt Sie dabei als verlässlicher Partner mit praxisnaher Beratung, maßgeschneiderten Lösungen und einem starken Netzwerk.