Branchenverband schraubt seine Prognose für 2010 hoch. Der VDMA erwartet nun ein Produktionsplus von drei Prozent. Die Auftragseingänge legen rasant zu.
HB I Frankfurt
Der deutsche Maschinenbau nimmt nach dem Krisenjahr 2009 dank der
weltweit anziehenden Nachfrage immer stärker Fahrt auf. „Nach den Zuwächsen bei den
Auftragseingängen heben wir unsere Produktionsprognose für 2010 auf plus drei
Prozent an“, sagte gestern der Präsident des Branchenverbandes VDMA, Manfred
Wittenstein. „Wir kommen besser aus der Krise heraus als erwartet.“ Bislang hatte
die Branche nur mit einer Stagnation der Produktion gerechnet.
In den ersten fünf Monaten dieses Jahres lagen die Bestellungen um rund ein Viertel
über den Vorjahreszeitraum. Im Mai – der Vorjahresmonat war der schwächste des
Jahres – betrug das Plus sogar 61 Prozent. Derzeit verzeichneten früh in die Krise
geratene Hersteller von Textilmaschinen, Antriebstechnik oder Kunststoff- und
Gummimaschinen starke Zuwächse, sagte Wittenstein. In der Landtechnik oder bei den
Hütten- und Walzwerkeinrichtungen laufe es noch schleppend.
Dies galt auch vor einigen Monaten noch für die gesamte Branche. Die ebenfalls stark
von der Wirtschaftskrise getroffene Stahl- oder Chemieindustrie hatte bereits früher
Morgenluft gewittert. Ehe Firmen jedoch neue Maschinen bestellen, muss eine längere
Zeit der Zuversicht ins Land gehen.
Die Nachfrage ausdem Ausland ist hoch.
Verlassen können sich die Hersteller von Maschinen „Made in Germany“ weiter auf die
Nachfrage aus dem Ausland. Rund drei Viertel der deutschen Anlagen werden
exportiert. Die Bestellungen aus China, Indien und Brasilien ziehen dem VDMA zufolge
weiter an. Selbst in den USA – nach China der wichtigste Exportmarkt – gebe es eine
Trendwende, sagte Wittenstein, der im Oktober nach drei Jahren an der Spitze des
Verbandes mit 3000 Mitgliedsunternehmen seinen Posten als VDMA-Präsident abgeben
wird.
Im vergangenen Jahr war die Produktion der Hersteller, zu der neben zahlreichen
Mittelständlern auch börsennotierte Konzerne wie Gea, Gildemeister und Thyssen-Krupp
gehören, im Zuge der Wirtschaftskrise um ein Viertel auf 151 Mrd. Euro eingebrochen.
33 000 Stellen wurden gestrichen. Seit Dezember 2009 bauten die Unternehmen weitere
19 000 Arbeitsplätze ab. Weitere Stellenstreichungen schloss der VDMA-Präsident
nicht aus.
Trotz der erstarkten Nachfrage warnte Wittenstein vor zu frühem Optimismus. Es gebe
kein einheitliches Bild. Das Spektrum der Produktionsprognosen der Teilbranchen des
Maschinenbaus reiche von plus 30 bis minus 30 Prozent. Die Produktion sei im
Zeitraum Januar bis Mai noch 1,3 Prozent unter dem Vorjahr geblieben. Im April und
Mai sei sie aber erstmals seit 15 Monaten gestiegen. Ehe sich die Bestellungen in
den Umsätzen der Firmen niederschlagen, vergehen im Durchschnitt vier bis fünf
Monate.
Die Entwicklung sei aber eindeutig positiv, betonte der VDMA-Präsident. „Wir bewegen
uns mit den Maschinenbestellungen wieder in Richtung des Niveaus, das wir schon
einmal 2006 gesehen haben“, sagte Wittenstein. Und 2006 sei ein gutes Jahr gewesen.
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